I. Frühgeschichte, Grundgestalt
Die Anrufung der Gottheit um Erbarmen »Kyrie eleison« (griech. Κύριε ἐλεῖσον [= ἐλέησον] »Herr, erbarme dich«; Kyriale →Liturgische Gesangbücher) ist eines der weitestverbreiteten Elemente der christlichen Liturgien und universeller Bestandteil der die Bedürfnisse der Gläubigen betreffenden Gebete. Mitunter schließt das Kyrie die Anrufung Christi (»Christe eleison«) und gelegentlich das Wort »imas« (»ἡμᾶς«, »unser«) mit ein. Die lateinischen Entsprechungen sind »Domine« bzw. »Christe miserere (nobis)«. Seit frühester Zeit ist das Kyrie eleison bekannt als Litanei-Refrain (vgl. weiter A. Baumstark 1953; P. de Clerck 1977; ebenso Br. Stäblein 1960 und →Litanei). Im Bericht der Pilgerin Ätheria/Egeria über die liturgischen Zeremonien in Jerusalem Ende des 4. Jh. ist es für das Lucernarium bezeugt (Corpus scriptorum ecclesiasticorum latinorum 39, S. 72; Corpus christianorum series latina 175, S. 68; J. Wilkinson, Egeria’s Travels, L. 1971, S. 124). Litaneien dieser Art hatten ihren Platz in vielen Liturgien des Ostens und Westens, z. B. in der Regel des hl. Benedikt (ca. 540; Kap. IX, XII, XVII). Im Jahre 529 legte das Konzil von Vaison fest,...