I. Musik als ›Sprache‹ im Sinne der Rhetorik
Musik und Sprache als Ausdrucksformen, die sich einerseits im zeitlichen Nacheinander von (zumeist semantisch aufgeladenen) akustischen Bausteinen konstituieren, andererseits durch diese Bausteine a priori Mitteilungscharakter besitzen und gerade auf dem Gebiet der Kunst oft zu gemeinsamem Wirken vereinigt erscheinen, galten in allen Kulturen und zu allen Zeiten als verwandt. Die seit Beginn der Musikgeschichte immer vorhandene ›Mitteilungsfunktion‹ der Musik in Kult und Gottesdienst dokumentiert dies ebenso wie die – je nach geschichtlichem Ort etwas anders geartete bzw. mit anderen Prämissen versehene, aber nie völlig bestrittene – Absicht der meisten ›Tondichter‹, mit ihren Werken dem ›Publikum‹ (wer immer dies je nach geschichtlichem Ort und Funktion der Musik auch war) etwas mitzuteilen, es zu affizieren, sein Gefühl ›anzusprechen‹, es zu rühren oder auf es irgendeine andere Wirkung auszuüben (bis hin zu politischer oder gesellschaftlicher Indoktrinierung). Die Inanspruchnahme der Musik durch Staat und Ideologie insbesondere für ›offizielle‹ Feierlichkeiten bzw. auch Manifestationen aller Art ist ein weiteres Zeugnis für die allgemeine Akzeptanz der Sprachfähigkeit der Musik.
Die Verwandtschaft von Musik und Sprache kann sich allerdings auch ausschließlich auf der Außenseite...