* um 560 v. Chr. im ionischen Teos an der kleinasiatischen Küste, † um 475 v. Chr. Anakreon mußte Teos nach der Eroberung durch die Perser (545) verlassen. Als Dichter bzw. Sänger wirkte er an den Höfen der Tyrannen Polykrates auf Samos und Hipparchos in Athen. Die Ermordung beider zwang Anakreon jeweils zum Verlassen des Hofes; er soll sich schließlich nach Larissa in Thessalien zurückgezogen haben. Anakreon verkörpert den Typ des professionellen, ortsungebundenen Dichters, der sich von Fürsten engagieren und bezahlen läßt. Herodot (Historien 3, 121) schildert ihn als engen Vertrauten des Polykrates, und Stobaios zufolge konnte er es sich sogar leisten, einen von Polykrates angebotenen Lohn als ungenügend zurückzuweisen. Anders als etwa Alkman war Anakreon nicht für staatliche Kulte tätig; vielmehr trat er, gleichsam als Hofdichter, im Rahmen der Symposien der Fürstenhöfe auf.Die Veränderung, die diese Institution gegenüber der Zeit des Alkaios erfahren hat, geht nicht nur aus dem fast völligen Fehlen politischer Themen in den Gedichten des Anakreon hervor, sondern auch aus der Tatsache, daß ein von außen kommender, professioneller Dichter die musikalische Gestaltung des Symposions übernahm: Es handelte sich nicht mehr um eine Versammlung mit vornehmlich lokalen, politischen Zielen, im Mittelpunkt stand vielmehr...