*17. Nov. 1874 in Ixelles (Brüssel), †14. Jan. 1966 in Uccle (Brüssel), Musikwissenschaftler. Nach einem Jurastudium (Promotion 1897) und der Aufnahme in die Brüsseler Anwaltskammer entschied sich Charles van Borren jedoch 1905 ganz für die Musik. Seine musikwissenschaftliche Ausbildung erwarb der Amateur-Pianist bei Ernest Closson und im Selbststudium mit Hilfe von Lehrbüchern wie Riemanns Handbuch der Musikgeschichte (2 Bde., Lpz. 1904–1913). Seine Zeit als Bibliothekar des Brüsseler Cons. Royal (1919–1940) nutzte er dazu, die Bestände erheblich zu vergrößern. Van den Borren, der außerdem Musikgeschichte an den Universitäten von Lüttich (1927–1945) und Brüssel (1926–1945) lehrte, gilt als einer der Gründerväter der belgischen Musikwissenschaft. 1933 unterstützte er seinen Schwiegersohn Safford Cape bei der Gründung des Ensembles Pro musica antiqua, das zu den bedeutenden Vorkämpfern der Wiederentdeckung der Musik des MA. und der Renaissance gehört. Van den Borren wirkte als wissenschaftlicher Ratgeber der Gruppe. Als Sekretär des Institut des Hautes études de Belgique seit 1924 lud er herausragende Kollegen und auch Komponisten nach Brüssel ein. Daß er 1937 zum Mitglied der Académie royale de Belgique ernannt wurde, ermöglichte ihm die Veröffentlichung mehrerer musikwissenschaftlicher Arbeiten, die in der Reihe der Mémoires...