fl. vermutlich in der 2. Hälfte des 1. Jh. n. Chr. (nach J. Perrot 1965, S. 45), Mathematiker, Geometer, Physiker und Erfinder. Heron schrieb in seinen Pneumatika (I 42; vgl. H. Degering 1905, S. 22–26; J. Perrot 1965, S. 376ff.) eine der beiden erhaltenen detaillierten Beschreibungen der Wasserorgel (Ύδραυλικου òργανου) bzw. Hydraulis. P. Williams (1993, S. 244) hält es für möglich, daß die Orgelbeschreibung des Heron aus den Commentaria abgeleitet ist, einem verlorenen, dem Ktesibios zugeschriebenen Traktat. Die älteste erhaltene Transkription des Textes von Heron stammt aus dem Jahr 1250, die Authentizität des Textes kann jedoch wegen der verbreiteten Tendenz der Kopisten, die Handschriften zu veränderten, nicht eindeutig nachgewiesen werden. Dies gilt um so mehr für die Zeichnungen: »It is not unlikely that the drawings attached to copies of Hero represent what medieval copyists thought rather than what ancient Greeks made« (ebd., S. 215). Dennoch ist die Quelle von Bedeutung, da sie eine Beschreibung des Prinzips der Hydraulis enthält: Mittels einer Kolbenpumpe wurde ein mit der Öffnung nach unten in einem Wasserbecken stehender Druckbehälter (pnigeus) vollständig mit Luft angefüllt, wodurch ein konstanter Druck erzeugt wurde. Die Windversorgung der Pfeifen wurde von gelochten Schleifen gesteuert, die wahrscheinlich durch Schnüre oder Lederriemen (E. Szonntagh 1997, S. 113–118), nicht...