I. Der Oktoechos als System der acht Echoi Das System des ὀκτώηχος (von ὀκτώ = acht, ἦχος = Echos, Modus; als solches im Maskulinum, während die feminine Form zur Bezeichnung der nach dem Achttonsystem angeordneten Hymnensammlung dient, s. II.; kirchenslawisch als System osmoglasie, als Buch oktoich, osmoglasnik) findet seinen Niederschlag spätestens im 8./9. Jh. in den überlieferten byzantinischen Texthandschriften und ab dem 10. Jh. in den neumierten Quellen. Jeder Gesang wurde mit einem Zahlbuchstaben (einer μαρτυρία) versehen, aus dem die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Echos klar hervorgeht. Basierend auf dem byz. System finden wir die acht Echoi auch in der armenischen, der georgischen, der syrischen und in den slawischen Kirchen (→Armenische Kirchenmusik, →Orthodoxe Kirchenmusik, →Syrische Kirchenmusik). Zahlreiche Forscher, darunter vor allem Eric Werner (1958), haben versucht, das System der acht Echoi auf jüdische und gnostische Einflüsse zurückzuführen. Im byz. Schrifttum wird häufig Johannes von Damaskos hypothetisch als Urheber des Oktoechos angesehen. Er dürfte jedoch stattdessen als Schöpfer der Stichera anastasima einen wesentlichen Beitrag zur Entstehung des liturgischen Rahmens der Oktoechos geleistet haben. Die acht byz. Echoi werden in 4 authentische...