Einführung in Gebrauch, Bedeutung und musikbezogene Implikationen des Wortes
Bereits im klassischen Latein kann das Verb com-ponere (zusammen-setzen, -stellen, -legen) ebenso wie das daraus abgeleitete Substantiv compositio – neben anderen Bedeutungsnuancen – das Verfassen (auch Entwerfen, Disponieren) eines Buches, Gedichtes, Liedes oder anderen geistigen Erzeugnisses bezeichnen. In diesem Sinn wie in ihrem gesamten gemeinsprachlichen Gebrauch gingen beide Wörter in die lateinische Tradition des Mittelalters ein, und sie wurde sodann zur Grundlage für die entsprechenden Lehnwörter in etlichen Volks- bzw. modernen Sprachen.
Komposition in allgemeiner (neuzeitlicher) Bedeutung bezieht sich in der Regel auf ein Gebilde mit Kunstanspruch (das sich somit durch besondere Gestaltqualität, Ausdrucksfähigkeit, Sinntiefe u.ä. ausweist) und kann verschiedene Aspekte bezeichnen: 1. die Herstellung dieses Gebildes, die schöpferische Tätigkeit als solche, das Komponieren; 2. das Ziel und Ergebnis dieser Tätigkeit, das jeweils einzelne Werk; 3. das Gesamtgebiet des künstlerischen Schaffens und des bereits (historisch) Geschaffenen sowie die dazu führende oder daraus resultierende Lehre. (In diesem Sinne nicht eingeschlossen in die Erörterungen des folgenden Artikels wird die Musik solcher oraler Traditionen, für die die genannten Kriterien inadäquat wären. Zur Diskussion der...