Die berühmte St. Annenkirche zu Annaberg (Sächsisches Erzgebirge), ein durch Innenarchitektur und Ausstattung gleichermaßen hochbedeutendes Bauwerk der obersächsischen Spätgotik (Baubeginn 1499, Weihe 1519), besaß vom 16. Jh., jedenfalls vor 1539 (Einführung der luth. Reformation in den albertinischen Gebieten Sachsens), bis 1968 zwei Papiercodices im Großfolioformat, die seitdem zum Bestand der Sächsischen Landesbibliothek Dresden gehören (D-Dl, Mus.1-D-505, olim Ms.1248 [ Buchblock 40 × 28,5 cm, 628 Seiten ]; Mus.1-D-506, olim Ms.1126, [ Buchblock 40 × 28,5 cm, 522 Seiten ]). Sie bilden den Rest eines Annaberger Chorbuchbestandes von mindestens sieben Bänden, von denen fünf Pergament-Codices heute verschollen sind (W. Steude 1978, S. 25f.). Entgegen H. Albrechts Ansicht (Art. Annaberger Chorbücher, in: MGG, Sp. 489) sind die Codices nicht »für die neuerrichtete Annenkirche geschaffen« worden, sondern sie gehören zu dem großen und wichtigen Komplex obersächsischer Notenquellen, die – unmittelbar oder mittelbar, als Ganzes oder in Teilen – die kursächsisch-ernestinische Hofmusikpflege um und nach 1500 widerspiegeln, als deren Hauptträger die im 15. Jh. in Dresden gegründete, ab 1485 vor allem in Torgau und Wittenberg wirkende Hofkapelle fungierte, die nach dem Tode Kurfürst Friedrichs des Weisen (1525) weitgehend aufgelöst und durch die bürgerliche Stadtkantorei in Torgau unter Joh. Walter ersetzt wurde, die...