I. Frühgeschichte
Die traditionelle Klassifikation der Instrumentenkunde unterteilt die Familie der Horninstrumente im weiteren Sinn in zwei Unterkategorien: Hörner und Trompeten; diese Unterteilung berücksichtigt jedoch nicht die Kriterien, die für die Gesellschaften der Frühzeit selbst wichtig waren bzw. deren – vermutliche – Sichtweise ihrer eigenen Instrumente. Ein Instrumenten›paar‹ aus dem Irland der späten Bronzezeit bestand z. B. aus einem ›Horn‹ und einer ›Trompete‹. Letztlich ist die einzige verbindende Eigenschaft aller Horninstrumente die Art und Weise, in der der Bläser den Ton erzeugt; während eines großen Teils der Frühgeschichte definierte das Material die Form des Instruments, und Instrumente wurden aus fast allen nur denkbaren Materialien hergestellt. Für die Frühgeschichte kann eine klare Trennung zwischen Trompeten und Hörnern nicht vorgenommen werden.
Der Instrumentenkörper besteht aus einer Röhre fast jedweder Art. In der Natur lassen sich geeignete Rohmaterialien finden, die in vielen Fällen mit nur sehr geringem Verarbeitungsaufwand verwendbar sind. Tierhörner stellen bei weitem die größte Quelle solchen Materials dar, und in vielen Sprachen haben sie dem Instrument selbst seinen Namen gegeben; daneben dienen auch die Gehäuse von Meeresschnecken, Tritonshörnern (›Trompetenschnecken‹) und Seemuscheln als Schallröhren, ebenso wie...