* 3. April 1639 in Nepi (bei Viterbo), † 25. Febr. 1682 (durch Mord) in Genua, Komponist. Der an spektakulären Ereignissen reiche Lebenslauf Alessandro Stradellas ist für einen Musiker des 17. Jh. in jeglicher Beziehung ungewöhnlich: Als Komponist und Interpret geschätzt von einer breiten Öffentlichkeit und gefördert von zahlreichen einflußreichen Persönlichkeiten, ging er nie einer längeren festen Anstellung nach. Die überlieferten Quellen erwecken den Eindruck eines selbstbewußten, einnehmenden Charakters mit dem Anspruch eines ›freien‹ Künstlers.
Stradella stammt aus einer wohlhabenden, aristokratischen Familie, die sich Mitte des 15. Jh. im toskanischen Fivizzano ansiedelte. Viele seiner Vorfahren waren in angesehenen Berufen und Positionen tätig, so als Ärzte, Juristen und Priester. Als 1575 Alessio Stradella (um 1510–1580), ein Großonkel Alessandros, zum Bischof von Sutri und Nepi geweiht wurde, folgten ihm wenig später seine drei Brüder nach und ließen sich ebenfalls in dem knapp 50 km nordöstlich Roms gelegenen Städtchen Nepi nieder. 1579 wurde hier Alessandros Vater, Marc’Antonio Stradella (1579–1648), geboren. Mit Ehrgeiz und Engagement stieg er im Laufe der Zeit zu einer der führenden Persönlichkeiten Nepis auf, bekleidete Ämter der Stadtregierung und beteiligte sich aktiv an der Lokalpolitik. Darüber hinaus war Marc’Antonio bereits seit 1592 Mitglied...