I. BegriffDer deutsche Begriff erscheint zunächst als uztruc in der mystischen Literatur des 14. Jh., wird dann aber durch Ausdruckung und Ausdrückung verdrängt; erst im frühen 18. Jh. begegnet die Substantivierung Ausdruck, die die Bedeutungsverschiebungen aufgreift, die das Verb ausdrücken unter dem Einfluß vor allem des frz. exprimer, aber auch des engl. expression erfahren hat. Das heutige, bildlich geprägte Verständnis des Worts spielt dabei für die verworrene Begriffsgeschichte zunächst überhaupt keine Rolle; die Vorstellung, das im Innern einer Idee oder des schöpferischen Individuums Verborgene könne wie der Saft einer Frucht nach außen gepreßt werden, war bis zum Beginn des 19. Jh. völlig fremd. Das lat. Verb exprimere, die erst in der nachklassischen Rhetorik gebräuchliche Substantivierung expressio sowie deren neulateinische und deutsche Entsprechungen müssen vielmehr zunächst aus der rhetorischen Tradition heraus begriffen werden, wobei gegenläufige Einflüsse neuplatonischer Ideen freilich nicht zu vernachlässigen sind.Wenn Cicero es als Privileg der Menschen begreift, »quod conloquimur inter nos et quod exprimere dicendo sensa possumus« (De oratore I, 8, 32), führt die Übersetzung des Schlüsselbegriffs mit ausdrücken in die...