A. Das einstimmige Rondeau des Mittelalters
Das heutige Wort rondeau leitet sich aus den altfranzösischen Substantiven rondel, rondet, rondelet ab, deren Adjektivform roont »rund« bedeutet; sie geht auf das lateinische rotunda, rotundellus zurück. Die Ursprünge der Gattung sind unklar, doch die frühesten Texte, in denen sich das altfranzösische Wort findet, stammen aus dem späten 12. und frühen 13. Jh. und stehen oft in Verbindung mit Liedern, die einen beliebten Tanz, die carole, begleiteten. Der altfranzösische Begriff carole oder querele scheint sich aus dem griechisch/lateinischen chorus-chorea abzuleiten, was soviel wie Kreis, Kette oder Rundtanz bedeutet. Der provenzalische Grammatiker Uc Faidit setzt z. B. in seinen um 1240 entstandenen Donatz Proensals die altprovenzalischen Verben corolar und coreiar mit dem lateinischen coreas ducere gleich (Zeile 875). Wie durch verschiedene Texte des 13. Jh. belegt ist, faßten sich Männer, öfter allerdings Frauen, bei Maifesten oder anderen öffentlichen Festlichkeiten an den Händen, bildeten eine Kette oder einen Kreis und sangen ein cançon oder rondet de carole, während sie tanzten. In diesem Rundtanz liegt...