Die aus 16 Bänden bestehenden, wohl aus Süddeutschland stammenden Turiner Tabulaturen (I-Tn, Mss. Raccolta Giordano 1–8, Raccolta Foà 1–8, abgekürzt Tor G1–8 bzw. Tor F1–8) bilden eine geschlossene Sammlung; sie stellt die umfangreichste Quelle zur Musik für Tasteninstrumente (im folgenden als Claviermusik bezeichnet) des 17. Jh. dar. Die Sammlung, deren Bände einheitlich Querformat besitzen (ca. 23 × 36 cm) und die in deutscher Tabulaturschrift notiert ist, enthält insgesamt 1770 Werke auf 2703 beschriebenen Pergamentblättern mit Goldschnitt. Ein Teil davon stellt unbearbeitete Intabulierungen von Vokalmusik und instrumentaler Ensemblemusik dar. Es dominiert aber ›originale‹ Claviermusik, und in dieser Hinsicht erweisen sich die Turiner Tabulaturen von großer Bedeutung für die Kenntnis der Claviermusik von etwa 1580 bis 1630.
Der Ursprung der Sammlung läßt sich bis ins 18. Jh. zurückverfolgen. Damals gelangte sie in den Besitz der Genueser Adelsfamilie Durazzo, wahrscheinlich erworben durch den Grafen Giacomo Durazzo, dessen Exlibris sich in jedem Band vorfindet. Sie blieb im Besitz dieser Familie bis ins 20. Jh., wurde 1893 aufgrund von Erbschaftsansprüchen jedoch in zwei Hälften geteilt. Aber schon wenig später konnten die Bände wieder zusammengefügt werden, als beide Teile nacheinander (1927 und 1930) von der Biblioteca Nazionale in Turin erworben wurden. Der Ankauf geschah mit Unterstützung...