*27. Nov. 1935 in Stuttgart, Komponist. Lachenmann entstammt einer Stuttgarter Pfarrersfamilie. Nach dem Abitur studierte er von 1955 bis 1958 an der Musikhochschule seiner Heimatstadt bei Joh. N. David (Theorie, Kontrapunkt) und Jürgen Uhde (Klavier). Der Besuch der Darmstädter Ferienkurse 1957 eröffnete durch die Begegnung mit der seriellen Musik nicht nur eine entscheidende Perspektive, sondern brachte Lachenmann neben Stockhausen, Maderna, Pousseur, Scherchen und Adorno vor allem mit Luigi Nono in Berührung, als dessen Schüler er 1958 bis 1960 in Venedig lebte. Hatte das Studium des traditionellen Kontrapunkts bei David den Sinn für Beziehungen zwischen rationalen und expressiven Energien in der abendländischen Musik geweckt, so schärfte die unter immer wieder anderen Aspekten (z. B. Tonmaterial, zeitliche Ordnung, Form) vorgenommene Analyse alter und neuer Musik bei Nono, verbunden mit ästhetischer und philosophischer Reflexion, das kritische Bewußtsein gegenüber dem Materialbegriff und, damit verbunden, gegenüber der Verantwortung des Komponisten. Die durch Nono gewonnene bzw. bestätigte Erkenntnis, »daß es keinen glaubwürdigen Weg für die Musik ohne eine aufgeklärte Kompositionstechnik, daß es zugleich aber kein aufgeklärtes Komponieren geben kann ohne die Verankerung in einer verantwortungsvollen Gesinnung« (Lachenmann 1996 [1973], S. 260), blieb für Lachenmanns Schaffen essentiell. Seriellen und freien Entwürfen folgen...