I. Allgemeine BegriffsbestimmungDer Terminus Fuge (ital. fuga; engl., frz. fugue) ist abgeleitet von lat. fuga = Flucht, Fliehen (s. M. Beiche 1990). Nach gegenwärtigem Verständnis ist die Fuge ein selbständiger Typus kontrapunktischer Satztechnik, eine geschlossene Form, der als Gestaltungsprinzip die imitatorische Durchführung eines zentralen musikalischen Gedankens (Soggetto, Subjekt, Thema) zugrundeliegt. Wenn auch diese Satztechnik im Grunde auf die Vokalpolyphonie des 16. Jh. zurückgeht, ist das eigentliche Medium der Fuge doch die Instrumentalmusik, insbesondere die Musik für Tasteninstrumente. Fraglos gibt es vollwertige Fugenkompositionen für Instrumental- wie für Vokalensembles, jedoch erscheinen diese, gemessen am Gesamtbestand, doch eher als Nebenformen und vor allem überwiegend als Sätze, die als Fuge nicht eigenständig für sich stehen, sondern gleichsam fremdbestimmt einem übergeordneten Werkzusammenhang (Messe, Oratorium, Sonate, Variationszyklus) eingegliedert sind. Die Komponisten haben bei Verwendung des seit dem 17. Jh. gebräuchlichen Werktitels Fuge nicht alle einen einheitlichen Typus im Sinn gehabt, so daß die strukturellen Charakteristika der so bezeichneten Kompositionen vor allem in der Frühzeit erheblich differieren. Eine Definition der Fuge, die all diese Eigenheiten einschließen wollte, bliebe diffus und ohne wirkliche Aussagekraft. Es erscheint deshalb sinnvoll, von einem Prototypus auszugehen, der sich im wesentlichen am...